Solana-orientiertes Treasury-Unternehmen Solmate sieht sich Klage wegen mutmaßlicher Missstände und Governance-Probleme gegenüber

Solmate Infrastructure, das an der Nasdaq unter dem Ticker SLMT gehandelt wird, steht im Zentrum eines ernsten Unternehmenskoflikts. Das Unternehmen positioniert sich als Firma für die Verwaltung digitaler Vermögenswerte mit Schwerpunkt auf Solana und sieht sich nun mit einer Klage vor dem Supreme Court des Bundesstaates New York konfrontiert. Eingereicht wurde die Klage vom größten externen Aktionär des Unternehmens.

In der Klage geht es um mutmaßliche Verletzungen treuhänderischer Pflichten, Missbrauch in der Unternehmensführung, Transaktionen zugunsten von Insidern sowie eine unzureichend transparente Offenlegung von Informationen durch die aktuellen Führungskräfte und Mitglieder des Verwaltungsrats.

Der Fall Solmate zeigt erneut, dass im Sektor der Krypto-Treasury-Unternehmen nicht nur die Größe der digitalen Vermögenswerte in der Bilanz im Fokus steht. Investoren achten zunehmend auch auf die Qualität der Corporate Governance, den Schutz der Aktionäre und die Transparenz interner Entscheidungen.

Größter externer Aktionär wirft dem Verwaltungsrat von Solmate eigennütziges Handeln vor

Die Klage wurde von RBCH eingereicht, einer Struktur, die mit dem Gründer und CEO von RockawayX, Viktor Fischer, verbunden ist. RBCH hält rund 22,74% an der irischen Muttergesellschaft von Solmate, Brera Holdings. Diese Struktur spielte auch eine wichtige Rolle bei der PIPE-Transaktion von Solmate über 300 Millionen US-Dollar, die im September 2025 durchgeführt wurde. Damals beteiligte sich RBCH mit 50 Millionen US-Dollar an der Transaktion.

Nach Darstellung des Klägers hat das derzeitige Management von Solmate schwerwiegende Verstöße gegen Grundsätze guter Unternehmensführung begangen. In der Klage heißt es, dass Führungskräfte und Direktoren des Unternehmens möglicherweise in ihrem eigenen Interesse und nicht im Interesse der Aktionäre gehandelt hätten. Außerdem wird behauptet, dass die Informationen für Investoren unvollständig oder irreführend gewesen seien.

Viktor Fischer kritisierte die Arbeit des aktuellen Verwaltungsrats scharf. Seiner Ansicht nach zeigt Solmate schwache Ergebnisse und wird mit einem erheblichen Abschlag auf den Nettoinventarwert gehandelt. Fischer erklärte, dass das Unternehmen mit einem Abschlag von etwa 50% auf den NAV notiere und das Hauptproblem in ineffizienter Führung sowie eigennützigem Verhalten des aktuellen Verwaltungsrats liege.

Derzeit hält Solmate rund 2 Millionen SOL-Token. Die Marktentwicklung des Unternehmens bleibt jedoch schwach. Seit Jahresbeginn sind die Aktien von Solmate um etwa 78% gefallen. Gleichzeitig steht auch das breitere Solana-Ökosystem unter Druck: Der Token SOL verlor im selben Zeitraum rund 50%.

Der Rechtsstreit entstand nach einem gescheiterten Übernahmeversuch

Der Rechtsstreit begann wenige Wochen, nachdem Forward, das größte Solana-Treasury-Unternehmen im Bereich digitaler Vermögenswerte, ein unaufgefordertes Angebot zur Übernahme von Brera Holdings mit einer Prämie von 30% abgegeben hatte. Der Verwaltungsrat von Brera lehnte dieses Angebot letztlich ab.

RBCH argumentiert, dass die Ablehnung des Angebots in Verbindung mit mutmaßlichen Insidertransaktionen und umstrittenen Vergütungsstrukturen auf tiefere Probleme in der Corporate Governance hinweise. Nach Ansicht des Klägers habe der Verwaltungsrat die Interessen der Aktionäre ignoriert und versucht, die eigene Kontrolle über das Unternehmen zu stärken.

Im Zentrum der Klage stehen Behauptungen, dass die Führung von Solmate nach Abschluss der PIPE-Finanzierung Geschäfte eingegangen sei, die Insidern zugutekommen konnten. RBCH ist der Ansicht, dass diese Handlungen anderen Aktionären geschadet und das Gleichgewicht der Interessen innerhalb des Unternehmens verzerrt haben könnten.

Streit um Beratungsvertrag und Warrants für Insider

Nach Darstellung von RBCH genehmigte der Verwaltungsrat kurz nach Abschluss der PIPE-Transaktion einen 10-jährigen Vertrag über strategische Beratungsleistungen. Im Rahmen dieser Vereinbarung erhielten fünf Insider, von denen vier Direktoren des Unternehmens sind, Warrants, die etwa 10,7% des Eigenkapitals von Solmate entsprechen.

Darüber hinaus sah die Vereinbarung eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,85% der verwalteten Vermögenswerte vor. Der Kläger behauptet, dass die finanziellen Bedingungen dieser Vereinbarung den PIPE-Investoren nicht vollständig offengelegt wurden und dass die Beratungsleistungen keine klar messbaren Leistungsziele enthielten.

RBCH ist der Ansicht, dass eine solche Struktur in erster Linie Insidern und nicht den Aktionären des Unternehmens zugutekommen könnte. Nach Auffassung des Klägers schaffen solche Vereinbarungen Interessenkonflikte und erhöhen die finanzielle Belastung von Solmate, ohne einen klar erkennbaren Nutzen für das Geschäft zu bringen.

Insiderverkäufe von Aktien führten zu weiteren Vorwürfen

Ein weiterer wichtiger Punkt der Klage betrifft Aktienverkäufe durch Insider. RBCH behauptet, dass am Tag des Abschlusses der PIPE-Transaktion mehrere mit dem Unternehmen verbundene Personen Aktien zu einem Preis von mehr als 33 US-Dollar pro Stück verkauft hätten.

Zu den genannten Personen gehören der derzeitige CEO Ron Sade, Verwaltungsratsmitglied Keren Maimon, Kraken-Manager Guy Hirsch sowie der emiratische Direktor Tariq Almheiri. Nach Angaben des Klägers brachten diese Verkäufe Erlöse von mehr als 1,6 Millionen US-Dollar.

RBCH argumentiert, dass diese Transaktionen besonders problematisch gewesen sein könnten, da PIPE-Investoren zu diesem Zeitpunkt weiterhin an ihre Positionen gebunden waren und ihre Investitionen nicht frei veräußern konnten. Der Kläger deutet außerdem an, dass diese Geschäfte interne Handelsbeschränkungen verletzt oder auf wesentlichen nicht öffentlichen Informationen beruht haben könnten.

In der Klage wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass solche Verkäufe den Verdacht einer ungleichen Behandlung der Aktionäre verstärken. Während einige Investoren in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt waren, konnten Insider nach Darstellung von RBCH möglicherweise Aktien zu deutlich günstigeren Bedingungen verkaufen.

Vorwürfe zu Vergütungen und verbundenen Beratungsstrukturen

Neben den Aktienverkäufen verweist RBCH auch auf eine Beratungsvereinbarung über 6 Millionen US-Dollar mit der Pulsar Group. Nach Angaben des Klägers könnte diese Struktur mit den Verwaltungsratsmitgliedern Sade und Maimon verbunden sein.

RBCH behauptet, dass das Unternehmen doppelte Vergütungsstrukturen genutzt habe, die überhöht gewesen sein könnten und nicht den Interessen der Aktionäre entsprachen. Nach Ansicht des Klägers erhöhen solche Ausgaben den Druck auf die finanzielle Lage von Solmate und verschlechtern die Effizienz des Geschäfts.

In der Klage werden außerdem Governance-Probleme erwähnt, die nach dem Abgang des früheren CEO Marco Santori entstanden sein sollen. Santori verließ das Unternehmen im April nach Meinungsverschiedenheiten über das Kostenmanagement. Nach seinem Ausscheiden übernahmen Sade und Maimon Führungspositionen.

Der Kläger behauptet, dass Sade und Maimon nicht offengelegte Einstiegsboni sowie zusätzliche Vergütungen zusätzlich zu bereits bestehenden Beratungsgebühren erhalten haben könnten. RBCH ist der Ansicht, dass solche Zahlungen transparenter hätten offengelegt werden müssen, da sie die Interessen der Aktionäre direkt betreffen.

Umstrittene Aktienemission könnte Aktionäre verwässert haben

Besondere Aufmerksamkeit in der Klage gilt einer registrierten Direktplatzierung von Aktien vom 21. Mai. Im Rahmen dieser Transaktion erwarben Sade und Maimon 2,298 Millionen Aktien der Klasse B zu einem Preis von 4,97 US-Dollar je Aktie.

RBCH behauptet, dass diese Emission die bestehenden Aktionäre unfair um etwa 20% verwässert habe. Nach Darstellung des Klägers wurde durch die Ausgabe ein Wert von rund 18 Millionen US-Dollar an Insider übertragen.

Außerdem heißt es in der Klage, dass für diese Transaktion eine spezielle Ausnahme von der sogenannten „Poison Pill“-Bestimmung des Unternehmens gewährt wurde. Nach Angaben von RBCH galt diese Ausnahme nicht für andere Investoren. Dies verstärkt die Vorwürfe einer ungleichen Behandlung der Aktionäre und einer möglichen Festigung der Kontrolle durch das derzeitige Management.

Besonders umstritten erscheint diese Emission vor dem Hintergrund des abgelehnten Übernahmeangebots von Forward. Forward bewertete die Aktien von Brera mit 7,19 US-Dollar pro Stück, was etwa 30,7% über den damaligen Marktpreisen lag. RBCH argumentiert, dass Insider effektiv die Möglichkeit erhielten, Aktien mit einem erheblichen Abschlag zu kaufen, während gleichzeitig ein höher bewertetes externes Übernahmeangebot abgelehnt wurde.

RBCH fordert einstweilige Verfügung, Rückzahlung von Vergütungen und Änderungen in der Führung

In der Klage fordert RBCH eine außerordentliche einstweilige Verfügung, die Rückzahlung mutmaßlich unrechtmäßig erhaltener Vergütungen sowie die Aufhebung der umstrittenen Aktienemission.

Darüber hinaus verlangt der Kläger die Absetzung der derzeitigen Führung und die Ernennung unabhängiger Direktoren. Als mögliche Kandidaten für Führungspositionen werden der frühere Bitmine-Manager Jonathan Bates und Jito-Gründer Lucas Bruder genannt. Auch Viktor Fischer selbst hat Interesse an einer Rückkehr in eine Managementrolle geäußert.

Zusätzlich schlägt RBCH eine deutliche Senkung der Kosten von Solmate vor. Nach Ansicht des Klägers könnten die jährlichen Unternehmenskosten von etwa 10 Millionen auf 3 Millionen US-Dollar reduziert werden. Dies soll durch die Abschaffung von Beratungsgebühren und eine Kürzung der Vergütung des Verwaltungsrats erreicht werden.

Fischer und die mit ihm verbundenen Strukturen sind der Ansicht, dass Solmate ohne eine ernsthafte Neuausrichtung der Unternehmensführung weiterhin mit einem Abschlag gehandelt werden und das Vertrauen der Investoren verlieren werde. Ihrer Meinung nach benötigt das Unternehmen unabhängige Aufsicht, niedrigere Kosten und eine transparentere Strategie für die Verwaltung der Vermögenswerte.

Konflikt verschärft sich vor der Abstimmung der Aktionäre

Die Klage zielt außerdem darauf ab, Sade und Maimon daran zu hindern, mit den neu ausgegebenen Aktien auf der bevorstehenden ordentlichen Hauptversammlung abzustimmen. Diese Versammlung ist für den 26. Juni angesetzt.

RBCH behauptet, dass der Zeitpunkt der neuen Aktienausgabe nicht zufällig gewählt wurde. Nach Ansicht des Klägers erfolgte die Platzierung kurz vor dem Stichtag für die Registrierung der Teilnehmer der Hauptversammlung, um die Kontrolle des aktuellen Verwaltungsrats vor der Abstimmung zu stärken.

Solmate hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, dass die Ansprüche von RBCH mit einer gescheiterten kommerziellen Transaktion zusammenhängen könnten. Der Verwaltungsrat warf außerdem RockawayX und Forward vor, ihr Vorgehen koordiniert zu haben. Beide Parteien bestreiten diese Behauptung jedoch.

Damit geht der Unternehmenskonflikt um Solmate über einen gewöhnlichen Streit zwischen einem Aktionär und dem Management hinaus. Er betrifft Fragen der Kontrolle, Transparenz, fairen Behandlung von Investoren und Governance-Standards bei börsennotierten Unternehmen mit Fokus auf digitale Vermögenswerte.

Der Fall könnte Governance-Standards bei Krypto-Treasury-Unternehmen beeinflussen

Die Klage gegen Solmate erhöht den Druck auf das Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Phase. Solmate sieht sich mit einem sinkenden Marktwert, schwacher Aktienentwicklung, einem fallenden SOL-Preis, Governance-Vorwürfen und Unzufriedenheit unter Aktionären konfrontiert.

Die Situation entwickelt sich außerdem vor dem Hintergrund einer breiteren Aufmerksamkeit für den Sektor der Treasury-Unternehmen für digitale Vermögenswerte. Solche Unternehmen halten häufig erhebliche Mengen an Kryptowährungen in ihren Bilanzen. Deshalb bewerten Investoren zunehmend nicht nur den Wert dieser Vermögenswerte, sondern auch die Qualität der Corporate Governance.

Falls die Vorwürfe von RBCH vor Gericht weiterverfolgt werden, könnte der Ausgang des Verfahrens nicht nur die künftige Führungsstruktur von Solmate beeinflussen, sondern auch die Governance-Ansätze anderer börsennotierter Unternehmen mit Bezug zu Kryptowährungen.

Für den Markt könnte dieser Fall ein wichtiges Signal werden. Unternehmen, die ihr Geschäft rund um digitale Vermögenswerte und öffentliche Märkte aufbauen, werden voraussichtlich stärker auf Transparenz, Offenlegungspraktiken, Vergütungsstrukturen und den Schutz der Interessen von Minderheitsaktionären achten müssen.

Fazit

Solmate Infrastructure, ein auf Solana ausgerichtetes Unternehmen für die Verwaltung digitaler Vermögenswerte, sieht sich einer Klage seines größten externen Aktionärs RBCH gegenüber.

Der Kläger wirft dem aktuellen Management und dem Verwaltungsrat Verletzungen treuhänderischer Pflichten, Governance-Missbrauch, Insiderverkäufe von Aktien, umstrittene Vergütungsstrukturen und eine unfaire Verwässerung der Aktionäre vor.

RBCH behauptet, dass die Führung von Solmate nach der PIPE-Transaktion über 300 Millionen US-Dollar eine 10-jährige Beratungsvereinbarung genehmigt habe, die Warrants auf 10,7% des Kapitals sowie eine Gebühr von 0,85% der verwalteten Vermögenswerte umfasste.

In der Klage heißt es außerdem, dass Insider Aktien zu einem Preis von mehr als 33 US-Dollar pro Stück verkauft und dabei über 1,6 Millionen US-Dollar erlöst hätten, während PIPE-Investoren in ihren Positionen weiterhin eingeschränkt waren.

Weitere Vorwürfe betreffen die Direktplatzierung von Aktien am 21. Mai, bei der Sade und Maimon 2,298 Millionen Aktien der Klasse B zu je 4,97 US-Dollar erwarben. Nach Ansicht von RBCH verwässerte dies die bestehenden Aktionäre um etwa 20%.

RBCH fordert eine einstweilige Verfügung, die Rückzahlung der umstrittenen Vergütung, die Aufhebung der Aktienemission, die Absetzung der aktuellen Führung und die Ernennung unabhängiger Direktoren.

Solmate weist die Vorwürfe zurück und ist der Ansicht, dass die Ansprüche mit einer gescheiterten kommerziellen Transaktion zusammenhängen.

Die weitere Entwicklung des Verfahrens könnte nicht nur die künftige Führung von Solmate beeinflussen, sondern auch die Standards der Unternehmenskontrolle bei börsennotierten Krypto-Unternehmen.

Dieses Material dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

25.06.2026, 01:24
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