Hargreaves Lansdown, die größte britische Plattform für Privatanleger, hat ihr Angebot erweitert und neun börsengehandelte Schuldverschreibungen aufgenommen, die an Bitcoin und Ether gekoppelt sind. Dadurch können rund zwei Millionen Kunden nun über eine vertraute und regulierte Investmentinfrastruktur Zugang zu den beiden größten Kryptowährungen erhalten.
Zu den verfügbaren Produkten gehören Krypto-ETNs großer Vermögensverwalter und Emittenten wie BlackRock iShares, Bitwise, CoinShares, WisdomTree, 21Shares und Invesco. Die jährlichen Gebühren der gelisteten Produkte liegen zwischen 0% und 0,35%.
Der Start wurde möglich, nachdem die britische Finanzaufsicht ihre Position geändert und eine mehrjährige Beschränkung für den Zugang von Privatanlegern zu Krypto-ETNs aufgehoben hatte.
Hargreaves Lansdown nimmt neun Krypto-ETNs ins Angebot auf
Die neuen Instrumente ermöglichen es Kunden von Hargreaves Lansdown, an der Preisentwicklung von Bitcoin und Ether teilzuhaben, ohne dafür ein Konto bei einer Kryptobörse eröffnen, digitale Vermögenswerte direkt kaufen oder private Schlüssel selbst verwalten zu müssen.
Dies stellt eine bemerkenswerte Veränderung für eine Plattform dar, die mehr als 200 Milliarden US-Dollar an Kundenvermögen verwaltet und gegenüber Kryptowährungen traditionell eine vorsichtige Haltung eingenommen hat.
Noch vor weniger als einem Jahr warnte Hargreaves Lansdown Privatanleger vor den erheblichen Risiken von Krypto-Investitionen. Das Unternehmen erklärte, Bitcoin lasse sich nur schwer als klassische Anlageklasse einordnen, da ihm einige der Eigenschaften fehlen, die üblicherweise für den langfristigen Portfolioaufbau oder zur Erzielung stabiler Erträge herangezogen werden.
Die Plattform verwies außerdem auf die Geschichte starker Kursverluste bei Bitcoin und betonte, dass Anleger Kryptowährungen nicht als garantierten Weg zur Erreichung ihrer langfristigen finanziellen Ziele betrachten sollten.
Diese Warnungen hat das Unternehmen nicht zurückgenommen. Die Veränderung besteht vielmehr darin, dass das neue regulatorische Umfeld nun den Zugang zu regulierten Krypto-Investmentprodukten erlaubt, während gleichzeitig entsprechende Maßnahmen zum Anlegerschutz bestehen bleiben.
FCA öffnet Krypto-ETNs für Privatanleger
Die Erweiterung des Angebots folgte auf eine Entscheidung der britischen Financial Conduct Authority (FCA), eine vierjährige Beschränkung für den Zugang von Privatanlegern zu börsengehandelten Krypto-Schuldverschreibungen aufzuheben.
Nach dem Ende des Verbots können private Anleger solche Produkte über traditionelle Investmentplattformen erwerben. Anbieter müssen jedoch weiterhin Verbraucherschutzregeln und Anforderungen für besonders risikoreiche Anlageprodukte erfüllen.
Krypto-ETNs bilden den Wert eines zugrunde liegenden digitalen Vermögenswerts ab und werden über klassische Broker- oder Investmentinfrastrukturen gehandelt. Dadurch können Anleger an den Kursbewegungen von Bitcoin oder Ether teilhaben, ohne Kryptowährungen direkt kaufen oder aufbewahren zu müssen.
Die Risiken verschwinden dadurch allerdings nicht. Neben der hohen Volatilität der zugrunde liegenden digitalen Vermögenswerte bestehen auch Risiken im Zusammenhang mit dem Emittenten des ETN und der konkreten Struktur des jeweiligen Finanzprodukts.
Neue Anleger müssen zusätzliche Prüfungen durchlaufen
Hargreaves Lansdown verlangt von Kunden, die erstmals Krypto-ETNs erwerben möchten, eine sogenannte Angemessenheitsprüfung.
Dabei soll festgestellt werden, ob der Anleger über ausreichende Kenntnisse verfügt, um die Funktionsweise des Produkts und die damit verbundenen Risiken zu verstehen, einschließlich der Möglichkeit, den gesamten investierten Betrag zu verlieren.
Zusätzlich müssen neue Käufer nach Abschluss der Prüfung eine 24-stündige Wartezeit einhalten, bevor sie ihren ersten Kauf tätigen können.
Diese Maßnahmen entsprechen den FCA-Regeln für besonders risikoreiche Anlageprodukte. Sie sollen impulsive Entscheidungen reduzieren und sicherstellen, dass Kunden die mögliche Volatilität und das Ausmaß potenzieller Verluste verstehen.
Krypto-Produkte werden Teil des traditionellen britischen Investmentmarktes
Die Aufnahme von Bitcoin- und Ether-ETNs bei Hargreaves Lansdown ist vor allem wegen der Größe der Nutzerbasis der Plattform relevant. Rund zwei Millionen Privatanleger können nun über dieselben Konten auf den Kryptomarkt zugreifen, die sie bereits für den Kauf traditioneller Finanzinstrumente nutzen.
Zuvor mussten Anleger, die sich für digitale Vermögenswerte interessierten, häufig spezialisierte Kryptobörsen oder Handelsplattformen nutzen. Mit der Aufnahme der ETNs können Produkte, die an Bitcoin und Ether gekoppelt sind, nun gemeinsam mit Aktien, Fonds und anderen traditionellen Anlagen im selben Portfolio gehalten werden.
Die Notierung dieser Krypto-ETNs bedeutet nicht, dass Hargreaves Lansdown Bitcoin oder Ether für jeden Anleger als geeignet ansieht. Das Unternehmen weist weiterhin auf die hohen Risiken und die starke Volatilität digitaler Vermögenswerte hin.
Dennoch zeigt der Start einen breiteren Trend: Änderungen der britischen Regulierung integrieren Krypto-Investmentprodukte schrittweise in den traditionellen Retail-Finanzmarkt des Landes.
Für die Kryptoindustrie ist dies ein weiteres Zeichen dafür, dass der Zugang zu Bitcoin und Ether nicht mehr nur über spezialisierte Kryptoplattformen erfolgt, sondern zunehmend auch über große regulierte Investmentdienste, die bereits von Millionen privaten Anlegern genutzt werden.
