Die auf Stablecoins ausgerichtete Neobank Fasset hat in einer neuen Finanzierungsrunde 68 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Runde wurde von der japanischen Finanzgruppe SBI Group angeführt. Nach Abschluss der Finanzierung erreichte das Unternehmen eine Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar und erhielt damit den Status eines „Unicorns“.
Das neue Kapital soll für die internationale Expansion, den Ausbau der Zahlungsinfrastruktur, die Weiterentwicklung von Systemen auf Basis künstlicher Intelligenz und die weitere Expansion des eigenen OWN Network eingesetzt werden. Fasset will sich dabei insbesondere auf Japan, weitere asiatische Länder und Schwellenmärkte konzentrieren, in denen die Nachfrage nach schnellen grenzüberschreitenden Zahlungen und internationalen Geldtransfers wächst.
Die neue Investition erfolgte etwa drei Monate nach einer vorherigen Finanzierungsrunde über 51 Millionen US-Dollar. Damit hat Fasset in diesem Jahr insgesamt 119 Millionen US-Dollar an Kapital aufgenommen. An der vorherigen Runde beteiligten sich unter anderem der frühe Investor Speedinvest und weitere strategische Partner.
Fasset baut sein globales Zahlungsgeschäft aus
Fasset entwickelt eine Finanzplattform, über die Privatkunden und Unternehmen Gelder in verschiedenen Währungen und digitalen Assets aufbewahren, übertragen, ausgeben und investieren können. Ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur ist die Nutzung von Stablecoins als interner Abwicklungsmechanismus.
Nutzer müssen dabei nicht direkt mit digitalen Dollar-Token interagieren oder die technischen Details von Blockchain-Systemen verstehen. Kunden können klassische Bankkonten, Zahlungskarten, nationale Währungen oder andere Finanzprodukte verwenden, während Stablecoins im Hintergrund für die Abwicklung sorgen.
Nach Angaben des Unternehmens ist Fasset in 125 Ländern aktiv und verarbeitet ein jährliches Transaktionsvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar. CEO Mohammad Raafi Hossain erklärte, dass der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr ungefähr um das Sechsfache gestiegen sei.
Fasset gibt zudem an, bereits seit 12 Monaten in Folge profitabel zu sein, veröffentlicht jedoch keine konkreten Angaben zu Umsatz oder Nettogewinn. Ein wesentlicher Teil der Einnahmen stammt aus institutionellen und privaten Finanzdienstleistungen, darunter Stablecoin-Zahlungen und Abwicklungsservices. Bankkonten und Zahlungskarten beginnen ebenfalls, zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Das Wachstum von Fasset spiegelt einen breiteren Trend auf den Finanzmärkten wider. Stablecoins werden zunehmend für internationale Überweisungen, Unternehmenszahlungen und grenzüberschreitende Geldbewegungen eingesetzt, da sie die Zahl der Zwischenstellen reduzieren und Transaktionen beschleunigen können.
Im traditionellen Bankensystem kann eine internationale Überweisung mehrere Korrespondenzbanken durchlaufen, bevor das Geld den endgültigen Empfänger erreicht. Jeder zusätzliche Vermittler kann die Kosten erhöhen und die Abwicklungszeit verlängern. Stablecoins ermöglichen eine direktere Zahlungsinfrastruktur, während die Benutzeroberfläche für den Kunden vertraut bleibt.
OWN Network verbindet Banken und Zahlungsunternehmen
Im Zentrum der Fasset-Infrastruktur steht das eigene OWN Network, eine Ethereum-Layer-2-Lösung, die mithilfe der Technologie von Arbitrum entwickelt wurde.
Das Netzwerk verbindet Banken, Telekommunikationsunternehmen, Zahlungsdienstleister, Liquiditätsanbieter und weitere Finanzinstitute über mehr als 100 Bankkorridore. Dadurch können Gelder zwischen unterschiedlichen Finanzsystemen bewegt werden, indem traditionelle Zahlungskanäle mit Blockchain-Infrastruktur kombiniert werden.
Fasset nutzt außerdem künstliche Intelligenz, um möglichst effiziente Zahlungsrouten auszuwählen. Die Systeme des Unternehmens analysieren verschiedene Währungen, Liquiditätsanbieter und Abwicklungskanäle und berücksichtigen dabei Faktoren wie Transaktionskosten, Zahlungsgeschwindigkeit und die Verfügbarkeit der benötigten Infrastruktur.
Auf diese Weise kann automatisch die geeignetste Route für jede Transaktion bestimmt werden. Für den Endnutzer bleibt der Prozess möglichst einfach, während komplexe Vorgänge zwischen Währungen, Finanzinstituten und Blockchain-Netzwerken innerhalb der Fasset-Infrastruktur abgewickelt werden.
Ein Teil des neuen Kapitals soll in den weiteren Ausbau von OWN Network, die Verbesserung der Zahlungsrouting-Systeme und die Anbindung zusätzlicher Finanzpartner fließen.
SBI Group könnte Fasset bei der Expansion in Asien unterstützen
Die neue Finanzierungsrunde stärkt die Beziehungen zwischen Fasset und der japanischen SBI Group deutlich. Die Gruppe baut ihre Aktivitäten im Bereich digitaler Assets und Blockchain-Infrastruktur seit Jahren aus.
SBI hat in mehrere große Unternehmen und Projekte der Kryptobranche investiert, darunter Ripple, Circle und Morpho. Darüber hinaus besitzt die Gruppe den institutionellen Krypto-Liquiditätsanbieter B2C2 und beteiligt sich an verschiedenen Initiativen rund um Stablecoins und Blockchain-Zahlungen.
Für Fasset bedeutet die Zusammenarbeit mit SBI nicht nur zusätzliches Kapital, sondern möglicherweise auch Zugang zur umfangreichen Banken- und Zahlungsinfrastruktur des japanischen Finanzkonzerns.
Fasset arbeitet bereits mit SBI Remit zusammen, einem Dienstleister für internationale Geldtransfers. Dessen Infrastruktur bietet Zugang zu rund 470.000 Servicestellen und ermöglicht Überweisungen auf Bankkonten in etwa 200 Ländern.
Die Unternehmen wollen ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen, zusätzliche Zahlungskorridore erschließen und die Finanzinfrastruktur in Japan, Asien und weiteren Schwellenmärkten erweitern. Konkrete neue Produkte oder die nächsten Expansionsmärkte wurden bislang jedoch nicht angekündigt.
Stablecoins werden zunehmend Teil des traditionellen Finanzsystems
Die Strategie von Fasset basiert darauf, traditionelle Bankinfrastruktur mit Stablecoin-basierten Abwicklungen zu kombinieren. Nutzer greifen weiterhin auf vertraute Finanzprodukte zurück, während die Blockchain im Hintergrund als technologische Grundlage für schnellere Geldbewegungen dient.
Dieser Ansatz kann insbesondere in Märkten attraktiv sein, in denen internationale Überweisungen weiterhin teuer oder langsam sind. Statt Kunden dazu zu zwingen, selbst Krypto-Wallets, Netzwerke und Token zu verwalten, möchte Fasset einen großen Teil der technischen Komplexität in die eigene Infrastruktur verlagern.
Die Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar verdeutlicht das wachsende Interesse von Investoren an Unternehmen, die Stablecoins nicht nur als Krypto-Assets, sondern als Grundlage für globale Zahlungssysteme einsetzen.
Die neu aufgenommenen 68 Millionen US-Dollar sollen Fasset dabei helfen, OWN Network zu erweitern, die KI-Systeme zu verbessern, weitere Banken und Zahlungsunternehmen anzubinden und die Präsenz auf internationalen Märkten auszubauen. Angesichts der steigenden Nachfrage nach schnellen grenzüberschreitenden Abwicklungen will das Unternehmen weiter skalieren und seine Position im globalen Fintech-Sektor stärken.
