Ende Januar machte Donald Trump einen Schritt, den viele erwartet hatten, der aber dennoch für viel Aufmerksamkeit sorgte:
Er brachte Kevin Warsh als Kandidaten für den Vorsitz der US-Notenbank (Federal Reserve) ins Spiel.
Für die Wall Street ist das ein deutliches Signal: Warsh ist nicht nur ein „Schreibtisch-Technokrat“, sondern eine Persönlichkeit
mit dem Ruf eines geldpolitischen „Falken“ und engen Verbindungen zum Umfeld des Präsidenten.
Die naheliegende Frage lautet: Was könnte das für den Kryptomarkt bedeuten?
Wer ist er – Trumps Favorit?
Kevin Warsh ist ein erfahrener Finanzprofi und ehemaliges Mitglied des Board of Governors der Federal Reserve.
Während seiner Zeit bei der Fed (2006–2011) stand er häufig in der Minderheit und stellte sich gegen eine Politik des billigen Geldes.
Sein Lebenslauf wirkt wie eine klassische Erfolgsgeschichte: Stanford, Harvard Law School und anschließend eine Karriere bei Morgan Stanley.
Im Februar 2006 trat er im Alter von nur 35 Jahren in das Board of Governors ein – als jüngstes Mitglied dieses Gremiums in der Geschichte.
Im Kontext der aktuellen Nominierung spielt auch ein anderer Faktor eine Rolle: seine Ehe mit Jane Lauder,
der Tochter des Milliardärs Ronald Lauder, eines langjährigen Trump-Verbündeten.
Dieses familiäre Netzwerk öffnete Warsh faktisch die Türen zum engeren Kreis des 45. US-Präsidenten.
Vom prinzipientreuen „Falken“ zum flexibleren Verbündeten
In Finanzkreisen ist Warsh für eine harte Haltung gegenüber Inflation bekannt. Nach der Krise 2008 gehörte er zu den wenigen,
die sich gegen großangelegte Anleihe- und Assetkäufe (Quantitative Easing) aussprachen und vor Überhitzungsrisiken warnten.
In den letzten Jahren soll sich sein öffentlicher Ton jedoch – Medienberichten zufolge – etwas verändert haben:
Er zeigte sich offener für eine aktivere Konjunkturstützung, insbesondere in Phasen wirtschaftlicher Abschwächung.
Skeptiker sind jedoch überzeugt, dass seine grundlegende Überzeugung – die Notwendigkeit einer „harten Hand“ gegen Inflation –
nicht verschwunden ist. Sie könnte lediglich auf den Moment warten, in dem eine straffere Politik wieder gefragt ist.
Mehr als ein Berater: Wie er mit Trump verbunden ist
Warshs Verbindung zu Trump entstand weitgehend über den Familienkreis seiner Ehefrau. 2019 übernahm er faktisch die Rolle eines informellen
wirtschaftspolitischen Beraters, und am 30. Januar 2026 nominierte Trump ihn offiziell als Kandidaten für den Fed-Vorsitz.
Trump lobte Warsh wiederholt für seine „festen Überzeugungen“ und seine Zuversicht, dass er „ihn nicht enttäuschen“ werde.
Einerseits verschafft ihm das außergewöhnlich starken politischen Rückhalt. Andererseits stellt sich für die Märkte eine zentrale Frage:
Wie unabhängig wäre die Fed unter seiner Führung?
Ein Skeptiker, der das Thema kennt: seine Sicht auf Kryptowährungen
Warsh weist digitale Assets nicht pauschal zurück. Sein Interesse wirkt eher praktisch als ideologisch:
Er investierte in Tech-Projekte aus dem Bereich (u. a. das algorithmische Stablecoin-Projekt Basis) und beriet den Venture-Capital-Fonds Electric Capital.
Öffentlich bleibt er jedoch ein vorsichtiger Skeptiker – er verweist auf Volatilität und den spekulativen Charakter des Marktes und betrachtet etwa
Bitcoin nicht als „echtes Geld“.
Analysten gehen davon aus, dass ein strafferer geldpolitischer Kurs unter Warsh die Nachfrage nach Kryptoassets indirekt abkühlen könnte:
Ein stärkerer US-Dollar und höhere Renditen „risikofreier“ Anlagen verringern häufig die Attraktivität von Alternativen.
Was sich bei einer Bestätigung ändern könnte: Die Märkte reagieren bereits
Allein die Nominierung von Warsh wird als Signal verstanden: Die Ära extrem billigen Geldes könnte früher enden, als viele erwartet haben.
Beobachter rechnen mit konkreten, harten Schritten – am häufigsten genannt werden:
- schnelleres Zurückfahren von Unterstützungsprogrammen und eine Reduzierung der aufgeblähten Fed-Bilanz;
- entschlossenere Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung – selbst wenn das das Wachstum bremst;
- strengere Aufsicht über den Finanzsektor, einschließlich des Bereichs digitaler Assets.
Nach dieser Logik preisen die Märkte diese Erwartungen bereits ein: Der Dollar gewinnt an Stärke,
und die Renditen von US-Staatsanleihen steigen – Investoren bereiten sich frühzeitig auf ein „kälteres“ geldpolitisches Umfeld vor.
Statt eines Fazits: Eine Wende nicht nur für die USA
Kevin Warsh vereint Wall-Street-Erfahrung, Verbindungen ins Weiße Haus und eine konservative Sicht auf Geldpolitik.
Sollte er die Fed führen, wäre das womöglich mehr als nur ein Personalwechsel – es könnte einen ideologischen Kurswechsel markieren:
Der Fokus würde sich von Wachstum um jeden Preis hin zu Inflationsbekämpfung und finanzieller Stabilität verschieben.
Die Auswirkungen einer solchen Wende würden nicht nur US-Unternehmen und Kreditnehmer treffen,
sondern könnten weltweit spürbar sein – in einer Welt, die jahrzehntelang von reichlich Liquidität aus Washington geprägt war.
Die globale Wirtschaft müsste sich an eine neue Realität anpassen, in der die einflussreichste Zentralbank der Welt
nicht länger als bodenlose Quelle von Liquidität agiert.