Der südkoreanische Finanzregulierer hat eine Prüfung der Kryptobörse Bithumb gestartet, nachdem es zu einem aufsehenerregenden
Vorfall kam: Im Rahmen einer Promotion wurden einigen Nutzern versehentlich 2.000 BTC statt 2.000 südkoreanischen Won
(rund $1,5) gutgeschrieben. Die Behörden erklärten, dass die Ergebnisse der Prüfung bei der Ausarbeitung
einer aktualisierten Gesetzgebung zu virtuellen Vermögenswerten berücksichtigt werden sollen.
Was passiert ist: Promo-Fehler und kurzer Preisrutsch auf der Plattform
Der Vorfall ereignete sich im Februar 2026. Laut CoinDesk sollte die Aktion kleine Gewinne in Won auszahlen,
doch durch einen Fehler erhielten einige Gewinner tausende Bitcoins. Als mehrere Empfänger versuchten, die unerwartet hohen Bestände zu verkaufen,
wich der BTC-Preis auf Bithumb kurzfristig vom Gesamtmarkt ab und fiel zeitweise auf etwa 81 Mio. Won
(rund $55.000) — ungefähr 10–15% unter dem Niveau anderer Börsen.
Bloomberg berichtete, dass der Fehler innerhalb von etwa 20 Minuten entdeckt wurde.
Dennoch kann selbst ein so kurzes Zeitfenster ausreichen, damit Trades ausgeführt werden und Werte in schwer rückgängig zu machende Zustände übergehen —
etwa durch Fiat-Konvertierungen, externe Abhebungen oder Banküberweisungen.
Ausmaß: Wie viele BTC verteilt wurden und was Nutzer noch schaffen konnten
The Korea Times brachte den Fehler mit einer „Random-Box“-Mechanik in Verbindung:
Nutzer öffnen eine virtuelle „Truhe“ und erhalten einen Gewinn zwischen 2.000 und 50.000 Won.
Die Zeitung schrieb, Bithumb habe rund 620.000 BTC an 249 Gewinner verteilt.
In einigen Darstellungen wurde zudem angemerkt, dass — nimmt man diese Zahlen wörtlich — die durchschnittliche Auszahlung eher bei
2.500 BTC pro Person gelegen haben könnte, was die Dimension des Fehlers und die operativen Risiken unterstreicht.
Obwohl Bithumb rasch den Handel sowie Auszahlungen auf den betroffenen Konten einschränkte, erklärten Finanzbehörden,
dass 86 Nutzer dennoch 1.788 BTC verkaufen konnten. Der Punkt ist entscheidend:
Selbst bei schneller Reaktion blieb ein Fenster, in dem ein Teil der Mittel gehandelt, konvertiert oder bewegt werden konnte,
bevor die Einschränkungen vollständig griffen.
Rückholung: Was wiederhergestellt wurde und was offen bleibt
Stand 7. Februar 2026 habe Bithumb laut The Korea Times fast alles zurückholen können — bis auf 125 BTC
im Wert von etwa 13 Mrd. Won. Darin enthalten seien rund 3 Mrd. Won, die Nutzer bereits auf
Bankkonten überwiesen hatten. Bithumb erklärte, man habe die Empfänger kontaktiert und bitte um Rückgabe der Mittel.
In der Praxis hängen solche Fälle meist an zwei Strängen:
technisches Tracing (wohin die Assets geflossen sind und ob sie eingefroren oder zurückgeführt werden können)
sowie juristische Schritte (freiwillige Rückgabe, Ansprüche, und falls nötig Gerichtsverfahren).
Wenn Assets auf externe Wallets abgezogen oder über Drittservices konvertiert wurden, kann eine Rückholung von Kooperationen zwischen Börsen
und dem Eingreifen der Aufsicht abhängen.
Was der Regulierer prüft: Ursache, Kundenschutz und Prävention
Der südkoreanische Financial Supervisory Service (FSS) hat eine Prüfung von Bithumb eingeleitet. Der Regulierer will:
- die exakte Ursache der fehlerhaften Gutschriften ermitteln (menschlicher Fehler, Konfigurationsproblem, Code-Bug, Integrationsfehler oder Schwächen bei Zugriffsrechten);
- bewerten, wie gut Kundenvermögen geschützt ist und ob Risiken sauber zwischen internen Systemen und Nutzerbilanzen isoliert werden;
- prüfen, ob ausreichende Kontrollen und „Circuit Breaker“ existierten (Gutschrift-Limits, Anomalie-Alerts, Abhebesperren, manuelle Freigaben für kritische Aktionen);
- einschätzen, ob die Plattform eine Wiederholung verhindern kann (Release-Management, Tests, Berechtigungen, Anomalie-Monitoring und Incident-Response-Pläne).
Der Regulierer ergänzte, dass bei Hinweisen auf Gesetzesverstöße eine formelle Untersuchung folgen könne.
Das würde typischerweise eine deutlich tiefere Auswertung von Logs, Prozessen und internen Kontrollen bedeuten — inklusive der Frage,
wie die Börse in den ersten Minuten nach Entdeckung des Vorfalls gehandelt hat.
Warum das für die Gesetzgebung zu virtuellen Assets relevant ist
Der FSS betonte zudem, der Vorfall habe „grundlegende Mängel“ offengelegt, die „über den Rahmen“ der bestehenden
Regulierung hinausgehen. Vereinfacht gesagt: Der Fall zeigt, dass aktuelle Regeln bei operativen Risiken von Börsen zu unkonkret sein können —
von der Kontrolle von Promotions und Bonus-Logiken bis hin zu technischen Mindeststandards, um anomale Gutschriften zu verhindern und sofort einzudämmen.
Daher sollen die Prüfergebnisse in eine Aktualisierung der Virtual-Asset-Gesetzgebung einfließen. Praktisch könnte das zu klareren Vorgaben führen, etwa:
harte Obergrenzen für Promo-Gutschriften,
Zwei-Stufen-Freigaben für kritische Operationen,
verpflichtende Sofort-Freeze-Protokolle bei Anomalien,
sowie höhere Standards für Audit, Testing und Change-Management in Produktionsumgebungen.
Fazit: Ein Fall über Geld, Vertrauen und operative Sicherheit
Der Bithumb-Vorfall ist mehr als eine medienwirksame „Milliarden-Panne“. Er unterstreicht, wie entscheidend
interne Kontrollen und operative Sicherheit im Kryptomarkt sind.
Selbst 20 Minuten können zu Verkäufen, Konvertierungen und komplexen juristischen Folgen führen.
Genau deshalb behandelt der Regulierer den Fall als systemisch — und nutzt ihn als Grundlage für die nächsten Regeln im südkoreanischen Markt für virtuelle Assets.