Forensik. Digitale Spur. Teil 5
Cyberkriminelle im Dienst des Gesetzes: Mythos oder Realität?
Die Idee, Cyberkriminelle im Kampf gegen andere Cyberkriminelle einzusetzen, sorgt weltweit für Diskussionen. Auf den ersten Blick scheint es logisch: Wer könnte besser wissen, wie man Systeme angreift, als jemand, der genau das tut?
Ein ehemaliger Hacker verfügt möglicherweise über wertvolles Wissen über Schwachstellen, über die Denkweise von Tätern und kennt sich im Darknet aus. Doch Wissen allein reicht nicht aus – entscheidend sind auch die persönlichen Werte, die Motivation und der Charakter.
Wissen kann man lehren. Aber tief verankerte Einstellungen, antisoziales Verhalten und die Ablehnung gesellschaftlicher Normen lassen sich kaum „verlernen“. Viele Hacker handeln nicht nur aus Gier, sondern aus dem Drang, Systeme zu überlisten und Regeln zu brechen.
Deshalb werden ehemalige Kriminelle in der Regel nicht dauerhaft in Polizeibehörden aufgenommen. In Ausnahmefällen arbeiten sie als Informanten oder Berater – jedoch stets unter Aufsicht. Der berühmte Fall von Eugène-François Vidocq, einem ehemaligen Dieb, der die französische Kriminalpolizei leitete, ist ein historischer Einzelfall.
Auch der Autor dieser Analyse hat versucht, Hacker für Sicherheitsaufgaben zu gewinnen – mit wenig Erfolg. Die meisten verfügten nur über oberflächliche Fähigkeiten. Und selbst ihre illegalen Einnahmen waren oft niedriger als das Gehalt eines regulären IT-Administrators. Eine Ausnahme bildeten Carder, deren Tätigkeit jedoch nur begrenzt technisches Wissen erfordert.
Heute sieht es anders aus: Das Internet ist zu einem milliardenschweren Markt geworden. Cybercrime ist lukrativer und professioneller – aber auch legale IT-Berufe bieten bessere Verdienstmöglichkeiten als je zuvor.
Dennoch könnte sich bald eine neue Generation talentierter Cyberkrimineller entwickeln – mit technischem Know-how, strategischem Denken und gefährlichen Ambitionen. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung für Unternehmen, Staaten und globale Systeme dar.
Daher ist die Zusammenarbeit mit Cyberkriminellen mit großer Vorsicht zu genießen. Als Informationsquelle oder Berater – vielleicht. Als feste Mitarbeiter im Sicherheitsapparat – auf keinen Fall. Vertrauen und Integrität dürfen nicht gefährdet werden.
Fazit: Der beste Weg zur Cybersicherheit liegt nicht im Einsatz von ehemaligen Tätern, sondern im Aufbau einer gut ausgebildeten, ethisch gefestigten IT-Fachwelt. Nur so lässt sich eine sichere digitale Zukunft gewährleisten.